Erb gut!
Renée Schroeder ist eine der bekanntesten
Wissenschaftlerinnen des Landes. Das verdankt sie
ihrer Forschung, die sich um die Ribonukleinsäu-
re, die RNA, dreht. Im September veröffentlicht sie ihr erstes, populärwissenschaftliches Buch „Die Henne und das Ei“. Das Universum bringt exklusiv einen Vorabdruck – ein Kapitel, das in eine relativ neue wissenschaftliche Disziplin führt: der Epigenetik.

Die Augen von der Mama, die Nase vom Papa und die Sturheit von der Oma. Wie Eigenschaften auf die nächste Generation weitergegeben werden, ist bekannt: Sie sind in der DNA, der Desoxyribonukleinsäure, gespeichert. Und da gab es immer dieses Dogma: dass Erlerntes und Erworbenes nicht vererbt wird. Dass die DNA, dass sich unsere Gene, nicht davon beeindrucken lassen, was uns im Lauf unseres Lebens widerfährt. Sondern sind, wie sie sind. Stimmt nicht, sagt die Epigenetik. „Epi“ ist griechisch und heißt „zusätzlich, danach“. Soll heißen: Es gibt etwas, das zusätzlich zu unseren Genen existiert, einen übergeordneten Schaltplan. Etwas, das die starre Lehre der Genetik mit Leben füllt. Mit unserem Leben. Die Epigenetik ist ein ganz junges Gebiet, das seit zehn Jahren einen Höhenfug erlebt. Seit man entdeckte, dass die DNA in verschiedenen Zuständen weitervererbt wird. Und dass es Information gibt, die sich im Lauf des Lebens ins Gedächtnis der Zellen einprägt. Dass wir nicht nur sind, was unsere Eltern und Großeltern waren, sondern dass wir vielleicht auch sind, wie sie waren.

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Ein Vorabdruck aus dem Buch von Renée Schroeder



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