Es war einmal das Märchen vom friedlichen Schimpansen. Ganz Familientier tollt er mit seiner Sippe herum, krault Artgenossen das Fell und lässt sich Früchte aus Regenwald und Baumsavanne schmecken. Schlau wie er ist, hat er gelernt, verschiedene Gegenstände als Werkzeug zu nutzen. Mit „Holzangeln“ fischt der Menschenaffe nahrhafte Termiten aus ihren Nestern, zerkaute Blätter dienen ihm als Schwamm zum Auftunken von Wasser und Steine als Nussknacker. Sein technologisches Geschick beschert dem Schimpansen einen vollen Magen und lässt ihn Werkzeuge entwickeln, die er auch als Waffen gebrauchen kann. Im Senegal, so wurde vor drei Jahren bekannt, fertigen Schimpansen für die Jagd Speere aus Ästen. Damit stochern sie in Baumhöhlen herum, in der Absicht, kleine schlafende Halbaffen namens „Bushbabys“ aufzuspießen und so schwer zu verletzen, dass diese nicht mehr fliehen können. Die Affen beweisen: Wer hungrig ist, greift auch aus dem fiesen Hinterhalt an. Und Waffen sind keine Erfindung des Menschen. Krieg wird nicht nur von hoch entwickelten Arten betrieben – wo Tiere sind, da herrscht Dauer-streit. Der Kampf um knappe Ressourcen wie Nahrung, Unterschlupf oder paarungswillige Artgenossen ist ein evolutionäres Dauerthema.
Von Julia Harlfinger