Das Leben war perfekt. Gemeinsam mit seiner Frau Katherine und den zwei kleinen Kindern lebte Benjamin Mee in Südfrankreich. Er schrieb Kolumnen, sie arbeitete als Grafikerin. Dann kam das Unvorstellbare: bei Katherine wurde ein Gehirntumor diagnostiziert, besonders aggressiv. Trotzdem – oder gerade deshalb – kaufte Benjamin gemeinsam mit seiner Familie, seinen Brüdern und seiner Mutter einen Zoo. Eigentlich suchten sie nur nach einem Haus mit vielen Schlafzimmern, zuhause in Südengland, in dem sie alle gemeinsam würden leben können. Doch dann war da diese Anzeige auf der Immobilienseite. Sie kratzten ihr ganzes Geld zusammen. Einige Privatkredite, ein Bankkredit und eine mutige Entscheidung später und die Mees waren Besitzer eines richtigen, echten, großen Zoos.
Universum Magazin: Erinnern sich an die erste Nacht, die Sie und ihre Familie inmitten von 200 Tieren verbracht haben?
Benjamin Mee: Sehr gut sogar. Wir waren alle extrem müde. Aber auch extrem aufgeregt. Mein Bruder und ich gingen hinaus um nach den Tieren zu sehen. Das war der Moment als es uns wie der Blitz traf: das ist jetzt unser Zuhause. Und im Grunde ist es uns fremd.Wer sind all diese Tiere da draußen im Dunkeln? Das war ein sehr aufregender Moment. Nachdem wir eingezogen waren, dauerte es ein gutes halbes Jahr bis zur Öffnung des Zoos.Wir hatten damals ein kleines Team an Pflegern, die am nächsten Morgen kommen sollten. In dieser Nacht lag es also an uns, nach den Tieren zu sehen. Und es lag auch an uns, die Pfleger zu bezahlen. Zu dieser Zeit hatten wir überhaupt kein Geld. Das waren eigentlich unsere größten Sorgen. Jedenfalls schliefen wir nicht gerade gut in dieser Nacht …
Von Ursel Nendzig